Warum ist mein WLAN so schwach?
Ein schwaches WLAN-Signal ist eines der nervigsten Probleme im Alltag. Videos ruckeln, Videokonferenzen brechen ab, und im Garten hat man gar keinen Empfang. Die gute Nachricht: In den meisten Fällen lässt sich die WLAN-Reichweite mit einfachen Maßnahmen deutlich verbessern – oft sogar kostenlos.
Die häufigsten Ursachen für schlechtes WLAN
Bevor Sie Geld für neue Hardware ausgeben, sollten Sie die typischen Ursachen kennen:
- Ungünstiger Router-Standort – Der Router steht im Keller, in einer Ecke oder hinter dem Schrank
- Störquellen – Mikrowellen, Babyphones, Bluetooth-Geräte und andere Funkgeräte stören das Signal
- Dicke Wände und Decken – Beton, Stahlbeton und Fußbodenheizungen dämpfen das Signal stark
- Überlastete Funkkanäle – Besonders in Mehrfamilienhäusern funken viele Router auf demselben Kanal
- Veralteter Router – Ältere Router unterstützen nur langsame WLAN-Standards
Tipp 1: Router optimal platzieren
Die Platzierung des Routers ist der wichtigste Faktor für gutes WLAN. Viele Menschen stellen den Router einfach neben die Telefondose – das ist selten der ideale Standort.
So platzieren Sie den Router richtig:
- Zentral aufstellen – Der Router sollte möglichst in der Mitte der Wohnung stehen, nicht am Rand
- Erhöht positionieren – Stellen Sie den Router auf ein Regal oder einen Schrank (mindestens 1 Meter Höhe)
- Frei stehen lassen – Nicht in einem geschlossenen Schrank, hinter dem Fernseher oder zwischen Büchern verstecken
- Antennen ausrichten – Wenn der Router externe Antennen hat: Eine senkrecht, eine waagerecht aufstellen
- Abstand zu Störquellen – Mindestens 1–2 Meter Abstand zu Mikrowelle, Babyphone und Bluetooth-Lautsprechern
Praktischer Test: Gehen Sie mit dem Smartphone durch die Wohnung und beobachten Sie die WLAN-Balken. Probieren Sie verschiedene Router-Standorte aus und vergleichen Sie die Ergebnisse.
Was viele nicht wissen
Wasser dämpft WLAN-Signale stark. Ein großes Aquarium, ein Wasserbett oder sogar eine Warmwasserleitung in der Wand kann die Reichweite erheblich reduzieren. Auch Spiegel reflektieren WLAN-Signale und können die Ausbreitung behindern.
Tipp 2: Den richtigen Funkkanal wählen
In Mehrfamilienhäusern funken oft 10, 20 oder sogar 30 Router auf engem Raum. Wenn viele davon denselben Kanal nutzen, stören sie sich gegenseitig. Das Ergebnis: langsames WLAN trotz gutem Signal.
So finden Sie den besten Kanal:
Auf dem Computer (Windows):
- Laden Sie die kostenlose App WiFi Analyzer aus dem Microsoft Store herunter
- Starten Sie die App – sie zeigt alle WLAN-Netze in der Umgebung und deren Kanäle
- Wählen Sie einen Kanal, auf dem möglichst wenige andere Netze funken
Auf dem Smartphone (Android):
- Installieren Sie die App WiFi Analyzer aus dem Play Store
- Die App zeigt grafisch, welche Kanäle überlastet sind
Kanal im Router ändern:
- Öffnen Sie die Router-Oberfläche im Browser (z. B. fritz.box oder 192.168.1.1)
- Navigieren Sie zu den WLAN-Einstellungen
- Ändern Sie den Funkkanal von „Automatisch" auf den ermittelten freien Kanal
- Speichern Sie die Einstellungen
Wichtig: Im 2,4-GHz-Band sollten Sie nur die Kanäle 1, 6 oder 11 verwenden – diese überlappen sich nicht gegenseitig. Im 5-GHz-Band gibt es deutlich mehr Kanäle und weniger Überlappung.
Tipp 3: 5-GHz-Band nutzen
Moderne Router senden auf zwei Frequenzbändern: 2,4 GHz und 5 GHz. Viele Geräte verbinden sich automatisch mit dem 2,4-GHz-Band, obwohl das 5-GHz-Band oft die bessere Wahl wäre.
Unterschiede der Frequenzbänder:
| Eigenschaft | 2,4 GHz | 5 GHz |
|---|---|---|
| Reichweite | Größer (durchdringt Wände besser) | Kleiner |
| Geschwindigkeit | Langsamer | Deutlich schneller |
| Störanfälligkeit | Hoch (viele Geräte nutzen 2,4 GHz) | Gering |
| Geeignet für | Geräte in entfernten Räumen | Streaming, Gaming, Videocalls |
So nutzen Sie das 5-GHz-Band gezielt:
- Prüfen Sie in den WLAN-Einstellungen Ihres Geräts, ob es mit dem 5-GHz-Netz verbunden ist
- Bei vielen Routern können Sie für beide Bänder den gleichen Namen vergeben (Band Steering) – der Router wählt dann automatisch
- Alternativ vergeben Sie unterschiedliche Namen (z. B. „MeinWLAN" und „MeinWLAN_5G") und verbinden Geräte in der Nähe manuell mit dem 5-GHz-Netz
Tipp bei der Fritz!Box: Unter WLAN > Funkkanal können Sie die Option „Bekannte WLAN-Geräte bevorzugt ins 5-GHz-Funknetz steuern" aktivieren.
Tipp 4: Router-Firmware aktualisieren
Veraltete Firmware kann zu WLAN-Problemen führen. Router-Hersteller veröffentlichen regelmäßig Updates, die die Stabilität und Reichweite verbessern.
Firmware aktualisieren:
- Öffnen Sie die Router-Oberfläche (z. B. fritz.box, 192.168.0.1 oder speedport.ip)
- Suchen Sie nach „Firmware-Update", „Software-Update" oder „System-Update"
- Installieren Sie verfügbare Updates
- Aktivieren Sie wenn möglich automatische Updates
Häufige Router-Adressen:
- Fritz!Box: fritz.box oder 192.168.178.1
- Speedport (Telekom): speedport.ip oder 192.168.2.1
- Vodafone Station: 192.168.0.1
- Netgear: routerlogin.net oder 192.168.1.1
Tipp 5: WLAN-Repeater einsetzen
Wenn die bisherigen Tipps nicht ausreichen, kann ein WLAN-Repeater die Reichweite erweitern. Ein Repeater empfängt das Signal des Routers und sendet es verstärkt weiter.
Vorteile:
- Günstig (ab ca. 20–30 Euro)
- Einfache Einrichtung (oft per WPS-Taste)
- Keine Kabel nötig
Nachteile:
- Halbiert die Geschwindigkeit (der Repeater muss gleichzeitig empfangen und senden)
- Kann zu Verbindungsabbrüchen beim Wechsel zwischen Router und Repeater führen
Richtig platzieren: Der Repeater sollte zwischen Router und dem schlecht versorgten Bereich stehen – nicht erst dort, wo das Signal bereits schwach ist. Als Faustregel: Dort aufstellen, wo das Signal noch 50–60 % hat.
WLAN-Repeater einrichten (am Beispiel Fritz!Repeater)
- Stecken Sie den Repeater in eine Steckdose in der Nähe des Routers
- Drücken Sie die WPS-Taste am Repeater
- Drücken Sie innerhalb von 2 Minuten die WPS-Taste an Ihrer Fritz!Box
- Warten Sie, bis die LEDs am Repeater dauerhaft leuchten
- Stecken Sie den Repeater an den gewünschten Standort um
Tipp 6: Mesh-System für große Wohnungen
Für größere Wohnungen, Häuser oder Wohnungen mit dicken Wänden ist ein Mesh-System die beste Lösung. Dabei arbeiten mehrere WLAN-Zugangspunkte zusammen und bilden ein einheitliches Netzwerk.
Vorteile gegenüber Repeatern:
- Kein Geschwindigkeitsverlust – Mesh-Knoten kommunizieren über einen separaten Funkkanal
- Nahtloses Roaming – Geräte wechseln automatisch zum nächsten Zugangspunkt, ohne Verbindungsabbruch
- Ein einziges WLAN-Netz – Sie müssen sich nicht manuell umschalten
- Zentrale Verwaltung – Alle Einstellungen über eine App
Beliebte Mesh-Systeme:
- Fritz!Box + Fritz!Repeater – Mesh-Funktion in aktuellen Fritz!Box-Modellen integriert
- Google Nest Wifi – Einfache Einrichtung, gutes Design
- TP-Link Deco – Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
- Netgear Orbi – Leistungsstark für große Häuser
Tipp: Wenn Sie bereits eine aktuelle Fritz!Box besitzen, können Sie Fritz!Repeater als Mesh-Komponenten nutzen – das ist oft die günstigste Lösung.
Tipp 7: Powerline als Alternative
Wenn WLAN-Repeater und Mesh nicht ausreichen, können Powerline-Adapter helfen. Sie übertragen das Internetsignal über die Stromleitung und bieten am Zielort wieder einen WLAN-Zugangspunkt.
So funktioniert Powerline:
- Einen Adapter per LAN-Kabel mit dem Router verbinden und in die Steckdose stecken
- Den zweiten Adapter in die Steckdose im gewünschten Raum stecken
- Geräte per WLAN oder LAN-Kabel mit dem zweiten Adapter verbinden
Beachten Sie: Powerline funktioniert am besten, wenn beide Adapter im selben Stromkreis hängen. Über verschiedene Sicherungen oder sogar verschiedene Phasen kann die Leistung stark nachlassen.
Tipp 8: WLAN-Standard prüfen
Ältere Router unterstützen nur langsame WLAN-Standards. Ein Upgrade kann die Reichweite und Geschwindigkeit deutlich verbessern.
WLAN-Standards im Überblick:
- WiFi 4 (802.11n) – Bis zu 300 Mbit/s, veraltet
- WiFi 5 (802.11ac) – Bis zu 1.300 Mbit/s, noch ausreichend
- WiFi 6 (802.11ax) – Bis zu 9.600 Mbit/s, aktueller Standard, besser bei vielen Geräten
- WiFi 6E – Wie WiFi 6, aber mit zusätzlichem 6-GHz-Band
- WiFi 7 (802.11be) – Neuester Standard, extrem schnell
Wann lohnt sich ein neuer Router? Wenn Ihr Router nur WiFi 4 unterstützt oder älter als 5–6 Jahre ist, bringt ein neuer Router oft einen deutlichen Unterschied.
Häufige Fragen
Bringt Alufolie hinter dem Router wirklich etwas?
Tatsächlich kann eine Alufolie oder ein Reflektor hinter dem Router das Signal gezielt in eine Richtung lenken. Das hilft aber nur, wenn Sie das Signal in eine bestimmte Richtung verstärken möchten – die Abdeckung in andere Richtungen wird dadurch schlechter.
Stört mein Nachbar mein WLAN?
Indirekt ja. Wenn viele WLANs auf demselben Kanal funken, sinkt die Leistung für alle. Ein Kanalwechsel (siehe Tipp 2) hilft in den meisten Fällen.
Ist LAN-Kabel besser als WLAN?
Ja, immer. Eine kabelgebundene Verbindung ist schneller, stabiler und hat keine Reichweitenprobleme. Für stationäre Geräte wie Desktop-PC, Spielkonsole oder Smart-TV ist LAN-Kabel immer die beste Wahl.
Wie viele Geräte verträgt mein WLAN?
Das hängt vom Router ab. Aktuelle Router schaffen 20–50 Geräte problemlos. Probleme entstehen meist erst, wenn viele Geräte gleichzeitig große Datenmengen übertragen (z. B. mehrere 4K-Streams).
Checkliste: WLAN-Reichweite verbessern
- ✅ Router zentral und erhöht aufgestellt
- ✅ Abstand zu Störquellen eingehalten
- ✅ Besten Funkkanal ermittelt und eingestellt
- ✅ 5-GHz-Band für nahe Geräte aktiviert
- ✅ Router-Firmware aktualisiert
- ✅ Bei Bedarf Repeater oder Mesh-System eingesetzt
- ✅ Stationäre Geräte per LAN-Kabel verbunden
Zusammenfassung
Die WLAN-Reichweite lässt sich in den meisten Fällen deutlich verbessern, ohne viel Geld auszugeben. Beginnen Sie mit der optimalen Platzierung des Routers und dem richtigen Funkkanal – das allein bringt oft schon einen spürbaren Unterschied. Für größere Wohnungen oder Häuser sind Mesh-Systeme die zuverlässigste Lösung. Und vergessen Sie nicht: Für stationäre Geräte ist ein LAN-Kabel immer die beste Wahl.